Dialog und Aufklärung –
der
3. internationale
M100 Jugend Medien Workshop
Vom 31. August bis zum 2. September 2007 fand in der ‚Electronic Media School’ in Potsdam die dritte Auflage des ‚M100 Jugend Medien Workshops’ statt. Waren es im vergangenen Jahr junge Journalisten aus fünf Ländern, die in der brandenburgischen Landeshauptstadt zusammenkamen, so waren in diesem Jahr Teilnehmer aus 14 europäischen Ländern sowie aus Israel und Palästina vertreten.
Schwerpunktthema war der „Dialog zwischen den Kulturen“ – analog der Schwerpunktsetzung des diesjährigen M100 Sanssouci Colloquiums, auf dem es um den Dialog zwischen führenden Meinungsbildnern aus dem Mittleren Osten und Europa ging. Anna Siitam, Teilnehmerin des Jugend Medien Workshops, präsentierte die Arbeitsergebnisse der jungen Journalisten am 7. September auf dem M100 Sanssouci Colloquium.
Ausgewählt wurden die 41 Teilnehmer in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner European Youth Press. Die Teilnehmer, Mitglieder der Jugendpresse-Organisationen ihrer Länder, hatten sich mit Projekten beworben, die sich in den jeweiligen Ländern mit Themen wie „Integration“ oder „Dialog der Kulturen“ beschäftigen. Die Teilnehmer hatten auf dem Jugend Medien Workshop die Gelegenheit, ihre Projekte vorzustellen.
Freitag, 31. August
Der ‚M100 Jugend Medien Workshop’ begann am Freitagabend mit der Eröffnungsveranstaltung im ‚Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte’. Oberbürgermeister Jann Jakobs begrüßte die Teilnehmer im Namen der Stadt Potsdam, Staatssekretär Dr. Gerd Harms im Namen der Landesregierung. Dr. Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, und Dr. Roland Löffler von der Herbert Quandt-Stiftung sprachen Grußworte im Namen der Förderer des Jugend Medien Workshops.
Ein erster Höhepunkt war dann an diesem Abend die äußerst lebendige und facettenreiche Podiumsdiskussion renommierter Journalisten und Wissenschaftler. Über die Frage, welche ethischen Maßstäbe die Arbeit der Medien leiten sollten, diskutierten:
Andrea Seibel, stellvertretende Chefredakteurin der Tageszeitung Die Welt
Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur Stern
Mathew D. Rose, Buchautor und Journalist
Prof. Dr. Susan Neiman, Direktorin des Einstein Forums Potsdam
Dr. Joachim Huber, Medienjournalist der Tageszeitung Der Tagesspiegel
Einig waren sich die Diskutanten, dass die Freiheit der Medien nicht nur in autoritär regierten Staaten bedroht ist; auch in westlich geprägten Demokratien würden Gefahren drohen: durch Kommerzialisierung, Entertainisierung und zu große Nähe zu wirtschaftlichen und politischen Machthabern.
Hans-Ulrich Jörges warnte allerdings davor, ethische Maßstäbe für die journalistische Arbeit absolut zu setzen; aus seiner Sicht geht es im Journalismus um professionelle Standards: „Werden diese beachtet, so haben wir schon viel erreicht.“ Joachim Huber zeigte sich skeptisch; für ihn ist der Kampf um die Glaubwürdigkeit der Medien schon fast verloren: „80 Prozent der Journalisten haben den Glauben an den Journalismus verloren.“ Susan Neiman hielt dagegen und betonte vehement die Rolle des Journalismus in einer freiheitlichen Gesellschaft: „Guter Journalismus steht in der Tradition der Aufklärung.“
Andrea Seibel beklagte die immer stärkere Ausrichtung auch der Informationsmedien an angeblichen Unterhaltungsbedürfnissen der Mediennutzer: „Da wird dann die tausendste Geschichte über Lady Di wichtiger als der Irak-Krieg.“ Mathew D. Rose schließlich setzte sich mit der Forderung auseinander, Journalisten sollten unter allen Umständen objektiv sein; sein Vorschlag: „Journalisten können nicht immer objektiv sein – sie müssen aber immer fair bleiben.“
Der Podiumsdiskussion folgte ein reger Meinungsaustausch mit den Teilnehmern des Jugend Medien Workshops. Man konstatierte, dass in den verschiedenen Herkunftsländern der Teilnehmer höchst unterschiedliche Grade von Pressefreiheit vorzufinden sind, dass aber auch in Ländern wie Schweden oder Italien Gefahren vor allem durch eine zu weitgehende Kommerzialisierung der Medien drohen.
Samstag, 1. September
Der Samstag stand ganz im Zeichen dreier Workshops, die das Schwerpunktthema der Veranstaltung aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten:
• Workshop 1 beschäftigte sich mit der Frage, ob sich nach dem dänischen Karikaturenstreit die Bedingungen für die Pressefreiheit in Europa verändert haben. Einen Einführungsvortrag zum Thema hielt der Potsdamer Journalist Michael Geffken, moderiert wurde der Workshop von der Teilnehmerin Anna Siitam aus Schweden.
• Im Workshop 2 ging es um das Thema „Religion und neue Spiritualität“. Die Einführung ins Thema gab Dr. Roland Löffler von der Herbert Quandt-Stiftung, Moderation Kasia Karwan (Polen).
• Workshop 3 schließlich diskutierte die Frage der nationalen Identität unter dem Vorzeichen der Globalisierung. Für den Einführungsvortrag konnte Ari Rath, der ehemalige Cheredakteur der Jerusalem Post gewonnen werden, moderiert wurde der Workshop von Dumitru Iovu aus Moldawien.
Die Teilnehmer trugen zum Ende der jeweiligen Workshops die Ergebnisse zusammen, die dann am Sonntag dem Plenum präsentiert wurden.
Am Nachmittag des Samstags folgte eine Exkursion nach Berlin mit einem Besuch der ‚Deutschen Welle’ und der Präsentation des Programms DW-World Arabia.
Der Tag wurde beschlossen mit einer abendlichen Bootstour rund um Potsdam. In entspannter Stimmung und kommunikativer Atmosphäre diskutierten Ari Rath und der Chefredakteur des ZEITmagazin Leben, Christoph Amend, mit den Teilnehmern aktuelle Probleme des Journalismus.
Sonntag, 2. September
Der Sonntag war der Präsentation und Diskussion der Workshop-Ergebnisse sowie der journalistischen Umsetzung der Ergebnisse in Form von Berichten und Video-Blogs gewidmet. In Einzelarbeit oder in Teams versuchten die Teilnehmer, die unterschiedlichen Aspekte des Workshops-Themas auszuleuchten: durch Interviews, Kommentare oder Reportagen. Ein Teil der Arbeitsergebnisse ist unter www.orangelog.eu nachzulesen. Dieses Weblog war auf dem letztjährigen Jugend Medien Workshop entwickelt worden.
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