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Besuch der BILD-Redaktionskonferenz,
Axel-Springer AG, Berlin
Freitag, 22. August 2008,
Axel-Springer-Str. 65, Berlin
11.00 – 12.30 Uhr
Tanit Koch, Leitung Büro
Kai Diekmann, BILD
Von Angela Unkrüer
Am ersten Tag standen die Themen „Boulevard-Journalismus“ sowie die schwierige Beziehung zwischen Internet und Printmedien im Mittelpunkt des Jugend Medien Workshops. Um sich einen Eindruck vom deutschen Boulevard-Journalismus zu verschaffen, besuchten die Teilnehmer zunächst das Berliner Verlagshaus der Axel-Springer AG. Ziel waren die Redaktionsräume der BILD-Zeitung – der wohl populärsten und gleichzeitig umstrittensten Zeitung Deutschlands.
Entsprechend streng sind die Sicherheitskontrollen am Eingang des modernen Verlagsgebäudes. Zu Beginn ging es in die 9. Etage. Hier residiert seit Ostern diesen Jahres die Redaktion der BILD-Zeitung, die bis dahin ihren Sitz in Hamburg hatte. Gerade hat die tägliche Redaktionskonferenz unter Leitung von Chefredakteur Kai Diekmann begonnen. In dem großen Raum, der mit seinen von der Decke herabhängenden Flachbildschirmen ein wenig wie die Kommandozentrale eines Raumschiffs wirkt, besprechen die Redakteure unter anderem die Schlagzeilen und Fotos der Titelseite. Außerdem wird die Ausgabe des Vortags durch einem externen Journalisten, der per Telefon zugeschaltet ist, einer gründlichen Blattkritik unterzogen. Zur allgemeinen Überraschung stellt sich später heraus, dass sich grundsätzlich Jedermann für diese Aufgabe bewerben kann. Obwohl die meisten Workshop-Teilnehmer kein Deutsch verstehen, bekommen sie einen „bildhaften“ Eindruck von der Arbeitsweise in der Redaktion der auflagenstärksten Zeitung Europas .
Anschließend macht Tanit Koch, die Büroleiterin von Kai Diekmann, die Nachwuchsjournalisten mit den Basisdaten der BILD-Zeitung vertraut, beantwortet Fragen und setzt sich durchaus selbstkritisch mit der Berichterstattung des Boulevardblatts auseinander. Außerdem benennt sie einige Trends, die ihrer Meinung nach den Journalismus der Zukunft prägen werden. Besonders hebt sie dabei die „Leserreporter“ hervor, die per MMS oder E-Mail in großer Zahl Fotos an die Redaktion senden. Nach der Redaktionskonferenz liegt auf großen Tischen unter vielen anderen, professionell gemachten Fotos auch die aktuelle Ausbeute der BILD-„Leserreporter“ ausgebreitet – die Fotovorschläge für die morgige Ausgabe. Neben Schnappschüssen von Prominenten zeigen die Aufnahmen auch ein notdürftig abgedecktes Unfallopfer in den Trümmern seines Motorrads. Angesichts solcher Bilder stellt sich den Teilnehmern die Frage nach Verantwortung, Ethik und Moral im Boulevard-Journalismus umso dringender.
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