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In Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung
Sonnabend, 23. August 2008,
Electronic Media School, Potsdam Babelsberg
14.30 – 18.00 Uhr
Dr. Tobias Dürr, Chefredakteur der Zeitung „Berliner Republik“
Von Jolanta Jasina
„Seid nicht objektiv, vertretet eure Meinungen.“ Tobias Dürrs Worte schaffen von Anfang an eine Atmosphäre der freien Diskussion. Thema des Workshops: Journalismus und Politik – wie stehen sie zueinander? Oder wie sollten sie zueinander stehen - im Idealfall und in der Zukunft -, um die Demokratie zu stärken? Als Antwort folgt Stille. Nachdenken. Die Frage ist schwer und braucht Zeit sowie eine professionellen Einführung, die Tobias Dürr für uns bereit hält.
Mit Verweis auf zwei Bücher, „Nervöse Zone“ von Lutz Hachmeister und „Republik der Wichtigtuer“ von Herlinde Koelbl, stellt er uns eine journalistisch-politische Konstellation vor, in der Journalisten und Politiker eine neue Klasse Gleichgesinnter bilden. Jedoch unterschätzen sie die gegenseitige Abhängigkeit und sind einander feindlich eingestellt. Darüber hinaus werden sie oft zu Wichtigtuern, die statt inhaltsbezogener Arbeit eine Art vanity fair betreiben.
Was nützt aber die Kritik, wenn sie nicht konstruktiv ist? Als zweiten Schritt fordert Dürr uns auf, über verschiedene Gestaltungsarten des Verhältnisses zwischen Journalisten und Politikern nachzudenken. Wie sollten die Proportionen zwischen Infragestellen und Verstehen in den journalistisch-politischen Beziehungen ausfallen? Wie viel Anfeindung und wie viel Empathie besteht auf beiden Seiten? Dies sind Fragen, die trotz ihres theoretischen Klangs aktueller denn je sind. Nie zuvor war der Ruf der Politiker und Journalisten so schlecht wie heute. Diese Ansicht teilen alle Anwesenden – egal, ob aus Spanien oder der Ukraine. Diesen negativen Trend wollen wir als junge Nachwuchsjournalisten ändern.
„Ihre Meinung ist mir zwar widerlich, aber ich werde mich dafür totschlagen lassen“ (Voltaire).
In der folgenden Debatte kommt die Internationalität der Teilnehmer erst richtig zum Ausdruck und wird zur Grundlage der Diskussion. Nach der Einführung über das Verhältnis zwischen Politik und Journalisten will Dürr wissen, wie dieses Verhältnis in den jeweiligen Herkunftsländern der Teilnehmer aussieht.
Die Teilnehmer aus Polen rücken die verlorenen Illusionen der Revolution von 1989 und die Entstehung der politisch-journalistischen Elite in den Vordergrund, die sich nichts aus gesellschaftlichen Interessen macht. Die Diskussion lebt auf, da die polnischen Erfahrungen viele an die Situation in ihren eigenen Ländern erinnert. Andere, wie Silvia aus Bulgarien, beschreiben eine gegenteilige Situation, in der Journalisten im Namen von „einfachen Leuten“ Politiker kritisieren. Aber erst als Christina aus Weißrussland und Jelena aus Montenegro von ihren Erfahrungen berichteten, wird allen die Kluft zwischen freien und „halbfreien“ Ländern deutlich. Um diese Kluft herum dreht sich von nun an die Diskussion.
Pressefreiheit, die für die meisten Teilnehmer aus West- und Mitteleuropa als gegebenes Gut empfunden wird, wird am Beispiel der genannten Länder als die wichtigste aber schwerste Aufgabe der Demokratie geschildert. Verschwundene Journalisten, Wahrheit als höchst riskante Angelegenheit und „Journalismus als Form des Aktivismus“ – unter diesen Stichworten könnte man die tiefgreifende Diskussion zusammenfassen. Viele Fragen werden aufgeworfen, einige davon bleiben offen: Wie weit kann man im Kampf für die Freiheit gehen? Ist die Apathie der Leute oder der Terror der Mächtigen schuld an der fehlenden Pressefreiheit? Ist Political Correctness eine andere, subtilere Form der Zensur? Was ist die Rolle des Internets und des Online-Journalismus, sowohl in unterentwickelten als auch in etablierten Demokratien?
Es gibt so viele Antworten und unterschiedliche Erfahrungen wie besetzte Stühle im hellen Konferenzraum der Electronic Media School in Potsdam-Babelsberg. Aber der internationale Austausch, der gemeinsame Dialog ist wichtiger als die Suche nach einer endgültigen Antwort.
Keine Demokratie kann ohne freie Debatte funktionieren, so Tobias Dürr am Anfang des Workshops. Am Ende haben viele Teilnehmer das Gefühl, dass sie auch durch ihren grenzüberschreitenden Dialog zur Stärkung der Demokratie beigetragen haben. Das hoffen wir zumindest, und freuen uns auf den nächsten M100 Jugend Medien Workshop.
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