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Die Kraft der Vierten Gewalt – Investigativer Journalismus in meinem Land

von Naiara Arteaga Taberna, Spanien

Enthüllungsgeschichten im Namen des öffentlichen Interesses ist eine in Spanien relativ neue journalistische Praxis. Durch seinen politischen Kontext konnte die Funktion des investigativen Journalismus – auch Vierte Gewalt genannt – nicht immer komplett erfüllt werden. Viele Unregelmäßigkeiten der Regierungen wurden unter den Tisch gekehrt, da investigative Recherchen nicht möglich waren. Das rührt daher, dass während des Bürgerkriegs (1936-1939) und der darauffolgenden Diktatur Francesco Francos (1939-1975) sowohl Pressefreiheit als auch viele andere Rechte im Interesse des Regimes reduziert wurden. Gegen Ende der Diktatur wurde ein Prozess der Demokratisierung eingeleitet, der später in der spanischen Verfassung von 1978 verankert wurde.

Verglichen mit anderen journalistischen Arbeiten wurden bisher noch nicht viele investigative Artikel in Spanien veröffentlicht. Gleichwohl haben ihre Anzahl und Bedeutung exponentiell zugenommen. Generell ist es in Bezug auf personellen, materiellen und zeitlichen Aufwand ein kostspieliges Unterfangen. Zudem führen das spanische Mediengesetz sowie eine finanzielle und politische Abhängigkeit der spanischen Medien zu bestimmten Firmen oder politischen Alliierten dazu, dass investigative Artikel teilweise zu kompromittierend sind, um sie abzudrucken. Außerdem sind die Methoden, um an Informationen zu gelangen, oftmals illegal. Diese Art des Journalismus wird als die engagierteste angesehen und ist mit gewissen Risken verbunden. Einige spanische Journalisten wurden bereits ins Gefängnis gesteckt, weil sie ihre Quellen oder die Methode, wie sie an gewisse Informationen gelangt sind, nicht preisgeben wollten.
Der investigative Journalismus in Spanien hat drei Phasen durchlebt: die erste von 1975 bis1982, die zweite von 1982 bis1991 und die dritte von 1991 bis heute. Sie sind gekennzeichnet durch die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Umständen der jeweiligen Periode. Diese Faktoren formten die Art und Weise, wie Journalismus verstanden wurde, sowohl von professionellen Medienmachern, als auch vom Rest der Gesellschaft, inklusive Politikern, Firmen und anderen Akteuren wie zum Beispiel gemeinnützigen Organisationen.

Wenn man all das berücksichtigt, kann man sagen, dass Spanien ein hohes Niveau an Freiheit erreicht hat, das es Journalisten ermöglicht, ihre Arbeit korrekt auszuführen. Durch die beträchtlichen Fälle von Korruption in Spanien - das Land belegte 2009 nur Platz 32 von 180 im Korruptions-Index von Transparency International – haben Journalisten das Recht und die moralische Verpflichtung, eine Überwachungsfunktion einzunehmen und Machenschaften aufzudecken, die große Bevölkerungsgruppen betreffen. Durch die Beobachtung von Politikern, Polizei, Richtern, Firmen und Privatpersonen bilden sie die Kraft der Vierten Gewalt, nach den anderen drei obersten Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative.

Allerdings gibt es einige Herausforderungen, die sich investigative Journalisten in Spanien gegenüber sehen. Durch die aktuellen wirtschaftlichen Einsparungen in der gesamten spanischen Medienlandschaft wird die Anzahl der Mitarbeiter verringert oder beibehalten, jedoch nicht erhöht, während die Arbeit immer schneller wird. Infolgedessen können sich nicht viele vollzeitbeschäftigte Journalisten dem Investigativjournalismus widmen und müssen sich stattdessen mit aktuellen Themen beschäftigen, die von ihren Redaktionen bevorzugt werden.
Es ist eine recht unglückliche Situation, in der die Relevanz des investigativen Journalismus zwar erkennbar, allerdings nur sehr schwer durchführbar ist. Die Tatsache, dass Journalisten manchmal heimlich oder mit ungewöhnlichen Methoden arbeiten müssen, macht die investigative Arbeit schwierig und riskant. Die momentane Situation der Medien führt in eine ungewisse Zukunft. Investigativer Journalismus wird vielleicht nicht verschwinden, aber er wird sich sicher verändern. Alteingesessene Medien – wie Zeitungen oder Fernsehen – werden vielleicht noch investigative Berichte bringen, doch wird es höchstwahrscheinlich einen Überfluss an Webseiten geben, die eine alternative Plattform für diese Informationsangebote bieten werden. Auch wenn es dafür vermutlich einen Markt gibt, ist es eher unwahrscheinlich, dass sich Journalisten in Spanien auf diesen Bereich spezialisieren, während sie Vollzeit für eine Firma arbeiten, wie sie es früher gewohnt waren. Auf jeden Fall wäre es den Journalisten möglich, mithilfe neuer Technologien verschiedene Formate zu kombinieren und tiefgründigere Informationen anzubieten. Die Kraft der Vierten Gewalt würde dann in eine Plattform eingebunden sein, die leichter zugänglich und weniger kontrolliert ist: mit Journalisten, die ihre soziale Verantwortung auf eine neue Weise erfüllen und mehr auf die Zukunft ausgerichtet sind.

Naiara Arteaga Taberna ist in Spanien geboren und aufgewachsen. Die 25-Jährige hat bisher im Rahmen ihres Masters Erasmus Mundus Journalism and Media within Globalisation in Dänemark, den Niederlanden, Australien und Deutschland gelebt und studiert.

 
 
 
 
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