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Die Kraft der Vierten Gewalt – Investigativer Journalismus in meinem Land

von Veselina Foteva, Bulgarien

In Bulgarien trifft oft das System "Töte den Boten" zu. Einige der besten investigativen Journalisten wurden mit Säure überschüttet, geschlagen, bedroht, erpresst, bestochen. Diese Drohungen gibt es in der ganzen Welt, aber in Bulgarien bleiben die Täter meist unentdeckt. So stellt sich einem die Frage: ist es das Risiko wirklich wert, nach der Wahrheit zu suchen?
Drei Grundvoraussetzungen müssen bestehen, damit investigativer Journalismus existieren kann. Zuerst braucht man unabhängige, pluralistische Medien, denen es überhaupt möglich ist, investigativen Journalismus durchzuführen. Zweitens muss es den Journalisten möglich sein, Probleme zu beleuchten und zu recherchieren. Das bedeutet hauptsächlich, dass sie Zugriff auf Informationen von verschiedenen Quellen haben. Und drittens müssen die jeweiligen Medien in der Lage sein, die Informationen frei zu veröffentlichen und zu verbreiten, die ihre Journalisten im Sinne des öffentlichen Interesses aufdecken, ohne dass sie Zensur, Gegenanschuldigungen oder Bestrafung zu fürchten brauchen. Aber in einem Land, in dem Parteien sogar ihre eigenen Medien haben, sind unabhängige Investigativjournalisten prädestiniert dafür, Probleme zu bekommen.
Investigativer Journalismus in Bulgarien ist nicht so fokussiert auf die Aufdeckung von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen, sondern eher darauf, Korruption aufzudecken und immer wieder Geldwäsche zu überwachen. Meistens basieren die Ermittlungen jedoch nur auf inoffiziellen Aussagen von zwei oder drei Leuten, die etwas „off the record“ sagen. Die Aufdeckung korrupter Geschäfte benötigt Kenntnisse, lokale und internationale Bankkonten zu finden, in Verträgen, Berichten und vor allem ganz tief im Internet zu graben. Um diese Fähigkeiten zu entwickeln, benötigt man Zeit und riesige Investitionen in die Ausbildung. Es gibt wenige Medienunternehmen, die bereit sind, das auf sich zu nehmen. Des weiteren sind Journalisten alltäglich dem Druck ausgesetzt, ihr Soll an anderen Artikeln zu erfüllen.
Nach allem, was ich geschrieben habe, wundern Sie sich sicher, warum ich in solch einem Land investigative Journalistin werden möchte. Die Antwort ist einfach. Ich glaube an die Kraft der „Vierten Gewalt“. Ich glaube, dass Journalismus es schaffen kann, eine Revolution einzuleiten, und zwar nicht nur auf Staatsebene, sondern auch in den Köpfen der Leute. Und ich glaube, dass der Stift und der geschärfte Verstand des Journalisten viele Dinge verändern kann und vielleicht auch alle.

Veselina Foteva kommt aus Sofia, Bulgarien und studiert Medien- und Kommunikationswissenschaften. Die 18-Jährige hat in ihrer Heimat schon verschiedene Essay- und Nachwuchsjournalistenwettbewerbe gewonnen und interessiert sich für Online-Journalismus.

 
 
 
 
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