DEMOKRATIE ODER DESPOTIE?
Die Renaissance der dunklen Mächte.

Donnerstag, 14. September 2017, Orangerie Sanssouci

„Die Frage, ob der Westen überleben wird, hätte man uns früher als Alarmismus um die Ohren gehauen“, sagte der republikanische Politiker John McCain auf der Münchner Sicherheitskonferenz: Plötzlich sei aber genau das die Kernfrage des frühen 21. Jahrhunderts geworden, „tödlicher Ernst“. Einen westlichen Zusammenhalt könne es nur dann geben, wenn er von gemeinsamen Werten getragen sei.

60 Jahre, nachdem mit den Römischen Verträgen der Grundstein für die EU in seiner heutigen Form gelegt wurde, gestaltet sich Werten angesichts der aktuellen politischen Lage die Suche nach diesen gemeinsamen Werten jedoch als schwierig. Schon 2003 hat der im Januar verstorbene Soziologe Zygmunt Baumann die Überbetonung des Marktes, die ungefilterte Kommunikation und das Fehlen von Gemeinsamkeiten als Schattenseiten der postmodernen Gesellschaft beschrieben. Heute ist in Europa von Zusammenhalt und gemeinsamen Werten nur noch wenig zu finden; Populismus, Anti-Europäismus, Nationalismus, Autokratismus und Rassismus machen sich breit. Groß-Britannien steht vor dem Brexit, der Grexit Griechenlands ist noch immer eine Option, und sollte Marine Le Pen französische Staatspräsidentin werden, würde ein drohender Fraxit Europas Fundament komplett zerstören. (weiter)

M100 Webteaser 2017

Fast 70 Teilnehmer aus 20 Ländern, dazu noch einmal so viele Nachwuchsjournalisten, Gäste und berichterstattende Journalisten, nahmen in diesem Jahr am M100 Sanssouci Colloquium teil, das zum 12. Mal führende Medien- und Meinungsmacher, Historiker und Vertreter politischer Organisationen in der Orangerie von Potsdam-Sanssouci an einen Tisch geladen hat. Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und den bevorstehenden Wahlen in Österreich, Frankreich, den Niederlanden und dann Ende September in Deutschland sind die Ergebnisse der Diskussionen beim M100 Sanssouci Colloquium so aktuell wie nie. Die ausführliche Zusammenfassung dieser „in Europa einzigartigen Konferenz“ (rbb, 15.9.2016) finden Sie hier.
Eine weitere Zusammenfassung aus Tweets, Zitaten, Kommentaren und Fotos finden Sie noch eine Weile auf unserem Liveblog.

Achtung! Die weißrussische Organisation "Belarus in Focus" veranstaltet einen internationalen Wettbewerb für Journalisten, die in internationalen Medien über Weißrussland schreiben. Details gibt es hier:

 Belarus

Das Video über das diesjährige M100 Sanssouci Colloquium ist jetzt online! Mit Statements von Dr. Christian Rainer (Profil), Prof. Dr. Ulrike Guérot (European Democracy Lab), Götz Hamann (Die Zeit), Jim Egan (BBC World News), Xenia Kounalaki (Kathimerini), Kai Diekmann (BILD), Dr. Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard), Gabor Steingart (Handelsblatt), Dr. George Tzogopoulos (chinaandgreece.com) sowie Ausschnitte aus den Reden von Prof. Dr. Dan Diner (Hebräische Universität Jerusalem), Kanzlerin Dr. Angela Merkel, Laudator Giovanni di Lorenzo (Die Zeit) und M100 Media Award-Preisträger Roberto Saviano.
Hier geht's zum Video.

Der Video Clip über den diesjährigen M100YEJ Workshop zum Thema investigativer Journalismus mit 27 sehr talentierten Nachwuchsjournalisten aus ganz Europa ist jetzt online!

Der Workshop fand in Kooperation mit OCCRP, ICIJ, Correctiv, Netzwerk Recherche, Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) und Vereinigung Europäischer Presse statt. Er wurde finanziert vom Auswärtigen Amt und dem National Endowment for Democracy.

Wir danken allen unseren Partnern und Unterstützern!

YEJ Video

Potsdam, 20. September 2016. Alle Reden des M100 Sanssouci Colloquiums stehen nun auf Deutsch zur Verfügung.

Sie finden die Reden von Prof. Dr. Dan Diner, Oberbürgermeister Jann Jakobs, Kanzlerin Dr. Angela Merkel, Laudator Giovanni di Lorenzo und M100 Media Award Preisträger Roberto Saviano hier.

Die italienische Originalfassung der Dankesrede von Roberto Saviano finden Sie hier.

Der italienische Journalist und Schriftsteller Roberto Saviano erhält M100 Media Award / Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die politische Hauptrede des Abends

Potsdam, 15. September 2016. Mit der festlichen Verleihung des M100 Media Awards an den italienischen Schriftsteller und Journalisten Roberto Saviano („Gomorrha“) ist die internationale Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium heute Abend in der Orangerie von Potsdam erfolgreich zu Ende gegangen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt die politische Hauptrede des glanzvollen Abends. Sie war damit zum dritten Mal beim M100 Media Award.

An Roberto Saviano, der seit Erscheinen seines Buchs vor zehn Jahren über die neapolitanische Camorra von der Mafia bedroht wird und mit seiner Familie unter Polizeischutz ein Leben im Untergrund führt, wendete sie sich mit einem klaren Bekenntnis zur Pressefreiheit: „Wir müssen die Pressefreiheit immer wieder aufs Neue verteidigen und uns immer wieder daran erinnern, wie schnell sie in Gefahr geraten kann – auch bei uns in Europa. Pressefreiheit besteht aus der Abwesenheit staatlicher Einflussnahme und Zensur. Pressefreiheit umfasst auch die Freiheit, Missstände aufdecken und über sie berichten zu können, ohne Nachteile oder gar Gefahren befürchten zu müssen.“ Und sie schloss mit Bezug auf das am Nachmittag abgehaltene M100 Sanssouci Colloquium ein weiteres Bekenntnis an, nämlich für ein geeintes Europa: „So wie sich der M100 Media Award als europäischer Preis versteht, so richtet auch das Kolloquium, in dessen Rahmen er heute verliehen wird, seinen Blick auf die Situation in Europa.“ Und weiter: „Niemals dürfen wir vergessen, dass wir es maßgeblich der europäischen Integration zu verdanken haben, wenn wir heute nicht mehr auf einem Kontinent der Kriege, der Unfreiheit und der Gegensätze leben, sondern immer noch in einer Union des Friedens, der Freiheit, des Wohlstands, der Stabilität und der guten Nachbarschaft. Die Europäische Union hat in ihrer Geschichte vieles erreicht, was für vergangene Generationen kaum vorstellbar war. Auch jenseits der großen historischen Linien, in unserem Alltag, profitieren wir täglich von europäischer Integration; und zwar häufig, ohne es uns bewusst zu machen: durch freies Reisen, durch unsere gemeinsame Währung, durch unsere vielfältigen persönlichen Begegnungen.“

Die Laudatio auf Roberto Saviano hielt der Chefredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT Giovanni di Lorenzo. Di Lorenzo lobte die Auszeichnung für Saviano: „Roberto Saviano ist angewiesen auf den Rückhalt jener Gesellschaft, der er mit seiner Arbeit immer wieder die Augen geöffnet hat – gerade weil manche ihre Augen lieber wieder schließen, sich wegdrehen, von all dem nichts wissen wollen.“  Und weiter: „Ein Abend wie dieser trägt dazu bei, Roberto Saviano in seiner Heimat wieder ein Stück sicherer zu machen. Es ist nämlich ein großartiges Zeichen der Solidarität, das er hier in Potsdam erlebt – durch die Verleihung des M100 Media Awards. ‚Es wird Situationen geben’, hat Roberto einmal gesagt, ,in denen ich angreifbarer sein werde, weil man mich weniger beachtet. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist für ihn nicht nur schmückendes Beiwerk oder schmeichelnde Geste. Sie ist eine Art Lebensversicherung.“

Roberto Saviano selbst bedankte sich für den Preis und rief die anwesenden europäischen Pressevertreter dazu auf, den Mut zu haben, komplexe Zusammenhänge auch als solche darzustellen und nicht zu verkürzen. Er widmete seinen Preis dem türkischen Journalisten und Autor Ahmet Altan und seinem Bruder, dem Wirtschaftsprofessor Mehmet Altan, die am 10. September in der Türkei inhaftiert wurden.

Unter der Überschrift „Krieg oder Frieden“ diskutierten die rund 70 Teilnehmer der inzwischen 12. Ausgabe des M100 Sanssouci Colloquiums den Tag über in einem Roundtable-Format die Rückkehr geopolitischer Handlungsstrategien, die schleichende europäische Desintegration, die zunehmende Radikalisierung westlicher, nahöstlicher und anderer Gesellschaften sowie die Rolle und Verantwortung der Medien in diesen Entwicklungssträngen.

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Eröffnet wurde das M100 Sanssouci Colloquium von dem renommierten Historiker Prof. Dr. Dan Diner, der an der Hebräischen Universität Jerusalem moderne Geschichte lehrt und zwischen 1999 und 2004 Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig war. Er warnt vor derzeit erkennbaren „Mustern politisch-militärischen Handelns, die auf Lagen verweisen, die verstörend an das 19. Jahrhundert gemahnen. In erster Linie auf die Konstellation des Krim-Krieges 1853/56.“ Diese „mögliche geopolitisch semantisierte Konfliktkonstellation würde verschärft Fragen nach der Zukunft des europäischen Einigungsprojekts im Allgemeinen und die Rolle Deutschlands im Besonderen nach sich ziehen.“

Potsdam, 10. September 2016. Die Teilnehmer des #M100YEJ bloggen live vom Workshop! Am 1. Tag gab Daniel Drepper, Co-Gründer des investigativen Netzwerkes Correct!v, eine spannende Einführung in den investigativen Journalismus mit besonderem Focus auf Themenfindung, Recherche, Quellen und Umsetzung. Powered by Sourcefabric!

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Bundeskanzlerin Angela Merkel freut sich in ihrem aktuellen Podcast auf die Verleihung des M100 Media Award an Roberto Saviano am nächsten Donnerstag in Potsdam. Sie hält bei der Preisverleihung die Hauptrede. Zum Podcast geht es hier.

Merkel

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A visual summary of the M100 Sanssouci Colloquium 2016 "WAR OR PEACE, The return of geopolitics, disintegration and the radicalisation of society in Europe" and the M100 Media Award to the italian author Roberto Saviano. Political keynote: Federal Chancellor Dr Angela Merkel, laudation: Giovanni di Lorenzo (die Zeit)